Die Anzahl der täglichen Bitcoin-Transaktionen steigt derzeit kontinuierlich an und erreicht mit knapp 400.000 beinah ein neues Allzeithoch. Ein wesentlicher Teil der Transaktionsflut geht auf VeriBlock zurück, eine Blockchain, die ihren State durch Bitcoin-Transaktionen sichert. Ist das eine gute Idee – oder ein Angriff?
Auf der Bitcoin-Blockchain ist in letzter Zeit so viel Betrieb wie fast nie. Seit Ende März hängen die Miner am Tag rund 400.000 Transaktionen an die Blockchain an. Das ist zwar noch ein Stückchen vom bisherigen Rekord von 490.000 Transaktionen Ende 2017 entfernt – aber zeigt eine nachhaltige Nachfrage nach Bitcoin-Transaktionen, die noch nie so hoch war.
Anzahl der täglichen Transaktionen im zwei-Jahres-Verlauf. Quelle ebenfalls blockchain.info.
Die Charts zeigen, dass Bitcoin weit davon entfernt ist, als Zahlungssysstem abgeschrieben zu werden. Während die Märkte relativ ruhig sind, und das Interesse nach Google – zumindest in Deutschland – sehr viel geringer als während des Hypes Ende 2017 ist, wächst die Nachfrage danach, Bitcoin zu benutzen, geradezu rasant.

Dies könnte das typische Phänomen eines Bärenmarktes sein, in dem bei den Preisen recht wenig, aber bei den Anwendungen sehr viel passiert. Dahr schauen wir uns an, was für den Anstieg der Transaktionsmenge verantwortlich ist.
Lightning – schwer zu messender Einfluss
Spielt das Lightning – Netzwerk eine Rolle beim Wachstum der onchain-Transaktionen? Die Frage ist schwer zu beantworten, aber wir schauen nach Hinweisen.
Transaktionen mit Lightning geschehen offchain und hinterlassen naturgemäß keine Spur auf der Blockchain. Dies dürfte den Effekt haben, dass die tatsächliche Anzahl von Überweisungen mit Bitcoin deutlich höher liegen dürfte als die Statistiken vermuten lassen. Eventuell wurde damit das alte Allzeithoch bereits gebrochen. Aber darum geht es hier nicht.
Denn obwohl Lightning-Transaktionen offchain geschehen, hinterlässt das Netzwerk deutliche Spuren auf der Blockchain: Immer dann, wenn ein Channel geöffnet oder geschlossen wird, schlägt sich dies in einer Blockchain-Transaktion nieder. Es ist allerdings nicht ganz einfach, herauszufinden, wie viele Onchain-Transaktionen Lightning am Tag verursacht, da die vorliegenden Daten nicht eindeutig sind.
Lightning-Statistiken bei 1ml.com
So nennt 1ml.com etwa 32.165 aktualisierte Channels in den letzten 24 Stunden, was bedeuten könnte, dass es gut 32.000 Onchain-Transaktionen durch Lightning gab. Andererseits listet 1ml.com nur 302 neue Channels in den letzten 24 Stunden; da die Anzahl der Channels nicht erheblich gesunken ist, dürften diesen auch nicht viel mehr als 302 geschlossene Channels gegenüberstehen. Die logischste Erklärung für diesen klaffenden Unterschied wäre wohl, dass „aktualisierte Channels“ nur meint, dass 1ml.com die Channels inspiziert hat.
Man könnte weiter darüber spekulieren, ob Lightning indirekt onchain-Transaktionen auslöst, wenn beispielsweise jemand per Lightning Bitcoins an einen Service wie ZigZag überweist, der daraufhin Onchain-Bitcoins an eine bestimmte Adresse sendet. Dies ist eine wertvolle Operation für das Liquiditätsmanagement in Channels. Allerdings geht auch das nicht wirklich auf – laut der Statistik von ZigZag gab es in den letzten 24 Stunden kaum mehr als 10-20 Transaktionen.
Daher kommen wir bei Lightning vorerst nicht wirklich weiter. Ich ziehe Erkundungen ein und aktualisiere den Artikel. Vermutlich dürfte Lightning kaum mehr als 1000 Transaktionen je Tag produzieren, weshalb der Einfluss auf das Gesamtbild eher irrelevant ist.
Proof of Proof
Bei VeriBlock ist die Lage dagegen eindeutig. Diese Blockchain operiert mit dem bisher einzigartigen „Proof of Proof (PoP)“ Konsens-Verfahren. Das bedeutet, dass Daten über den Status der Blockchain regelmäßig auf der Bitcoin-Blockchain abgespeichert werden, womit andere Blockchains oder Sidechains von der Sicherheit profitieren, die die ungeheure Hashrate der Bitcoin-Blockchain aufbringt.
Die Knoten im Netzwerk können die Gültigkeit von Transaktionen nicht nur durch die eigenen Blöcke, sondern auch durch die Infos auf der Bitcoin-Blockchain validieren. Dass dies für Altcoins praktisch ist, zeigen die 51-Prozent-Angriffe auch Kryptowährungen mit schwacher Hashrate, wie etwa Bitcoin Gold oder Ethereum Classic . Gegen diese ist VeriBlock geschützt.
Veriblock ist eine offene, transparente, erlaubnisfreie Blockchain, die ein klassisches Proof-of-Work-Mining mit dem PoP-Mechanismus verbindet: Die PoP-Miner schreiben eine Repräsentation des „State“ der VeriBlock-Chain in eine Bitcoin-Transaktion. VeriBlock ist keine Sidechain im engeren Sinn, weil sie ihre eigenen Token hat, mit denen die Miner bezahlt werden. Sie soll jedoch Bitcoin helfen, das Zahlungswesen zu skalieren; die Macher streben an, dass es in Zukunft nicht nur ihre Chain gibt, die über PoP an die Bitcoin-Blockchain gekoppelt ist, sondern ein ganzes Universum solcher Chains.
Der Einschlag von VeriBlock auf die Anzahl der Bitcoin-Transaktionen ist nicht zu übersehen. Das Verfahren wurde bis Anfang März getestet und ging dann nach einer Pause Ende des Monats live. Man kann das in den obigen Transaktionscharts sehr deutlich erkennen.

Laut den Statistiken von VeriBlock konsumieren die Proofs auf der Bitcoin-Blockchain beinah 20 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen. In den letzten 24 Stunden waren es rund 72.000 von 380.000. Bisher wurden 42.000 Blöcke auf der VeriBlock-Blockchain veröffentlicht, woraus folgt, dass sich ein Block mit mehr als einer Bitcoin-Transaktion niederschlägt. Tatsächlich produziert VeriBlock relativ unregelmäßig Bitcoin-Transaktionen. In vielen Blöcken von VeriBlock gibt es überhaupt keine Proof-of-Proof-Transaktionen, während es in anderen plötzlich hunderte davon gibt. Warum das genau so ist, weiß ich nicht.
Tatsache ist jedoch: Veriblock ist für einen beträchtlichen Anteil der derzeitigen Bitcoin-Transaktionen verantwortlich. Dies ruft natürlich auch Kritik hervor, insbesondere nachdem VeriBlock über den Verkauf der Token durch die Börse Bittrex in wenigen Minuten mehrere Millionen Dollar eingenommen hat. Veriblock sei angreifbar, schreibt ein Blogger , und die Software des Clients sei weiterhin closed source, was nicht zu einem angeblich transparenten und offenen Projekt passe.
Vor allem aber ist VeriBlock für Bitcoin-User eher störend. Die vielen onchain-Transaktionen lassen Bitcoin immer wieder an ein Kapazitätslimit stoßen, wodurch die Gebühren ansteigen und Überweisungen länger dauern, bis sie bestätigt wird. Veriblock verursacht einen Allgemeinschaden, den Bitcoiner mit den Transaktionsgebühren zu tragen haben. Aber immerhin schneiden sich die VeriBlock-Miner damit auch ins eigene Fleisch: Die PoP-Miner berappen am Tag 6,8 bis 8,3 Bitcoin an Transaktionsgebühren, während sie deutlich weniger durch die Veriblock-Token, die sie dafür erhalten, einnehmen.
Sollte VeriBlock Bitcoin fortlaufend an ein Limit treiben, wird das PoP-Mining selbst also unprofitabel. Allerdings scheinen die hohen Gebühren weniger die VeriBlock-Miner abzuschrecken als die normalen User, was zur Folge hat, dass das PoP-Mining wieder profitabel wird. Aus diesem Gesichtspunkt erleben wir mit VeriBlock eher einen Angriff auf Bitcoin, der durch ein Token Anreize setzt, um die Bitcoin-Blockchain mit Spam zu fluten.
Anders sieht es, natürlich, VeriBlock CTO Max Sanchez. Er erklärt dem Bitcoin Magazine , dass die Bitcoin-Transaktionen der VeriBlock-Miner durch Ebben und Fluten gehen. Wenn die Gebühren bei Bitcoin ansteigen, werde der Anteil der VeriBlock-Transaktionen natürlicherweise schrumpfen. Die ökonomischen Kräfte sorgten für ein Gleichgewicht. Aber dies beantwortet natürlich nicht die Frage, wie dieses Gleichgewicht aussehen wird – und ob es den Usern gefallen wird.

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